Das Jeladim-Siegel aus Sicht der Entwicklung

beobachten

Auf Wunsch und Einladung besuchen wir kinderbetreuende Einrichtungen, in denen wir im Einvernehmen mit der zuständigen Leitung Kinder in ihrem Verhalten beobachten. Während der „goldenen Zeit“ - zwischen 8:30 und 11:30 Uhr - werden von uns kindliche Verhaltensweisen detailliert aufgezeichnet.

„Die Kinder verfolgen offensichtlich nicht den Zweck „zu lernen“, wenn sie bei einem Gegenstand verweilen; sie sind durch die Bedürfnisse ihres inneren Lebens daran gebunden, das sich durch sie organisieren und entwickeln muss.“
(Maria Montessori; Schule des Kindes, S.207)

Das Kind zeigt uns seine Vorlieben und Interessen, die von uns möglichst neutral und objektiv in ihren...
  • Neigungen und Stereotypen,
  • Körperhaltungen,
  • Gestiken und Mimiken

schriftlich festgehalten werden. Parallel dazu wird der Umgang im Allgemeinen mit bereits vorhandenen Materialien erfasst. So gewinnen wir ein umfassendes Bild von den Vorlieben und Interessen sowie den sozialen, körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Kinder. Eine am Kind orientierte und angepasste Materialentwicklung ist somit gewährleistet.

deuten

Die gewonnenen Daten werden aus dem Monitoring so aufbereitet, dass wir davon die Entwicklungsziele des Kindes dechiffrieren können. Wir entschlüsseln die vom Kind nonverbal artikulierten Entwicklungsbedürfnisse.

Dabei ist unser Augenmerk darauf gerichtet, womit sich Kinder mit Ausdauer, Konzentration und Freude befassen. Erkenntnisse der Wissenschaft aus den Bereichen der Hirnforschung und Entwicklungspsychologie sowie unserer langjährigen Erfahrung fließen in in eine abschließende Interpretation ein.

„Der Interpret ist für das Kind „die große Hoffnung“; [er hilft] ihm den Weg zu den Entdeckungen [zu öffnen], wenn ihm die Welt die Türen verschlossen hat. [Er] wird mit ihm in ein inniges Verhältnis treten, das die Zuneigung übertrifft, denn [er] gibt ihm Hilfe und nicht nur Trost.“
(Maria Montessori; Das kreative Kind, S. 124)

erfinden

Alle Jeladim-Bögen werden von Kindern unterschiedlichen Alters aus verschiedenen Einrichtungen anonymisiert gesammelt und kategorisiert. Durch die Kategorisierung ergeben sich allgemein formulierbare Entwicklungsbedüfnisse entsprechend den Altersstufen der Kinder.

„[Die Lehrerin kann] Schwierigkeiten oder das Interesse, das jedes Material bieten kann [abschätzen] und die Eindrücke, die es dem Kind vermitteln kann. (...) [Sie kann] die einzelnen Materialien entsprechend ihrer Abstufung gruppieren und auf diese Weise die Aktivität erproben, die das Kind in den verschiedenen Altersstufen entwickeln kann.“
(Maria Montessori; Die Entdeckung des Kindes, S. 168f)

Innerhalb der "sensiblen Phasen"(Erklärungshype) entsteht eine repräsentative Sammlung von Interessen und Vorlieben der Kinder. In Zusammenarbeit mit erfahrenen Kollegen aus der Praxis erstellen wir Pflichtenhefte mit den Kriterien für zukünftige Materialien. Sie enthalten die Kriterien für das bedürfniszentrierte und den Möglichkeiten des Kindes angepasste Aktivmaterial.

„[Die Lehrerin] muss verstehen, den geeigneten Gegenstand auszuwählen [zu gestalten] und ihn so anzubieten, dass er beim Kind auf Verständnis stößt und in ihm ein tiefes Interesse weckt.“
(Maria Montessori; Die Entdeckung des Kindes, S168)

Deshalb wird das Material der Firma Jeladim für Kinder „Aktivmaterial“ genannt. Ziel und Zentrum unserer Bemühungen ist, Kinder in Aktivität zu versetzen. Im Brainstorming skizzieren wir passend zu den "sensiblen Phasen" Materialideen für zukünftiges Aktivmaterial oder Alltagshilfen. Die letztendliche Auswahl entscheidet sich an allgemeinen Parametern der Umgebung, beispielsweise hinsichtlich der Gruppentauglichkeit und Anwendbarkeit in Kindergruppen.

entwerfen

3D-Zeichnungen werden nach den Vorgaben des Pflichtenheftes von mehreren Skizzen erstellt. Zusammen mit unseren Herstellern wählen wir eine davon final nach Wirtschaftlichkeit und Herstellbarkeit aus. Vor der Prototypherstellung wird die Ergonomie dem Zielgruppenalter nochmals angepasst.

Moderne Herstellungstechniken kommen bei der Erstellung eines ersten praxistauglichen Prototyps zum Einsatz, welcher die Merkmale des Pflichtenheftes bezüglich Funktion und Form voll erfüllt. Nur hochwertige Rohstoffe mit verantwortbarer Herkunft werden von uns nach ökologischen und ökonomischen Grundsätzen sorgfältig ausgewählt. So verwenden wir beispielsweise nur Holz von FSC-zertifizierten Betrieben.

Aufruf zum Umdenken:

Durch den Verzicht auf die Herstellung in Billiglohnländern stärken wir den Arbeitsmarkt und industriellen Standort und sichern die Zukunft unserer Kinder. Hierfür verzichten wir auf höhere Gewinne und tragen unseren Teil der sozialen Verantwortung bei. Als Schweizer Firma werden unsere Produkte ausschließlich in der Schweiz hergestellt. Die soziale Verantwortlichkeit von Jeladim für Kinder den Eltern unserer Kinder gegenüber hat das notwendig gemacht.

verfeinern

Zuerst wird das funktionale Handling überprüft. Dann geht es ins Detail. Die modernste Maschine kann eine Kinderhand nicht täuschen. Zwischen Maschine und Kind gehört die liebende Hand eines Erwachsenen Menschen, der das Kind im Sinn hat, das das Aktivmaterial in die Hand nehmen wird und sich möglicherweise daran sehr vertieft, entspannt und zu sich findet.
Haptische und sensorische Eigenschaften werden dabei besonders berücksichtigt. Hier wird die Liebe in das Material hineingesteckt, die über die Sensorik des Kindes direkt ankommt. Das Kind soll den Eindruck bekommen: „Die Welt ist gut zu mir. Sie hat mich lieb.“ Deshalb werden die Oberflächen und Kanten des Aktivmaterials gefärbt, geölt, geschliffen und gestreichelt. Es wird sicher gestellt, dass das Ergebnis der ursprünglichen Idee entspricht.

Eine genaue Gebrauchs- und Pflegeanweisung wird erstellt. Praktische und didaktische Anwendungen werden verfasst. Diese beinhalten einige Darbietungen in horizontalem Schwierigkeitsgrad zur Vertiefung und Festigung und in vertikalem Schwierigkeitsgrad zur Leistungssteigerung. Und so wie das Bild des Künstlers durch den Rahmen seine Wertschätzung erhält, bekommt das Aktivmaterial eine wertschätzenden Aufbewahrungsmöglichkeit.

überprüfen

Überprüfung des neuen Aktivmaterials hinsichtlich der Materialgrundsätze von Maria Montessori, der eigenen firmeninternen pädagogischen Ansprüche und der rechtlichen verbindlichen Standards. Sicherheitshinweise werden orientiert an der EN 71 (Europäischen Spielzeugnorm) formuliert.

Im Detail wird geprüft...
  • Entspricht das Produkt dem Sicherheitsstandard?
  • Stimmen Qualität, Stabilität, Ästhetik und Design?
  • Stimmt die methodisch-didaktische und pädagogische Zielsetzung?
  • Gibt es Spielvarianten zur Vertiefung?
  • Hat das Material ansteigende Schwierigkeitsgrade?
  • Bietet das Material die Möglichkeit der Fehlerkorrektur?
  • Ist eine intuitive Bedienung durch das Kind möglich?
  • Wie hoch ist der Fun-Faktor für das Kind einzuschätzen?
  • Ist es gut aufräumbar?

benutzen

Zusammen mit den Kollegen aus der Pädagogik erstellen wir eine dem Entwicklungsalter angemessene und empfohlene Form der Einführung des Aktivmaterials. Nun können die Kollegen/innen aus der Praxis das Material in ihrem Arbeitsfeld zum Einsatz bringen und testen.

„Die Lehrerin muss deshalb das Material sehr gut kennen (...) sowie exakt die ebenfalls experimentell bestimmte Technik erlernen, das Material vorzuführen und das Kind so zu behandeln, dass es wirkungsvoll gelenkt wird.“
(Maria Montessori; Die Entdeckung des Kindes, S. 168)

Nach dieser festgelegten Einführung wird das Material den Kindern zur freien Verfügung überlassen.

Der Praxistest

Im Mittelpunkt stehen nun die Kinder in Ihrem Umgang mit dem neuen Aktivmaterial. Sie zeigen uns ganz nonverbal, was sie davon halten. Der kreative Einfallsreichtum der Kinder überrascht uns hier immer wieder. Wir beobachten ihre Gefühlsregungen, Gestiken, Mimiken, ihre Ausdauer und erfassen eventuell auftretende "Lawinen-Effekte" innerhalb der Kindergruppe, welche oftmals bewirken, dass sich alle Kinder regelrecht auf das neue Aktivmaterial stürzen. Jeder will es dann haben. Und viele beginnen sehr geduldig darauf zu warten, bis sie endlich auch mal an der Reihe sind. Nun ist auch die Zeit, in der sich die Daten für den Info-Balken bis zur Position 100 hinter dem Datum füllen. Vorher geht kein Material in die Serienfertigung.

Zusätzlich zu den Vorgaben im Pflichtenheft beschäftigen wir uns mit folgenden Fragen:
  • Was passiert mit der Gruppe, während sich das Aktivmaterial in der Gruppe befindet?
  • Wieviele Kinder haben Interesse an dem Material?
  • Gibt es geschlechtsspezifische Vorlieben?
  • Geraten die Kinder in emotionale Anspannung, weil sie so lange darauf warten?
  • Gibt es sonst noch irgendwelche Aspekte, die im Kontext zur Gruppentauglichkeit vergessen wurden?

Geschlechtsspezifische Vorlieben werden im Siegel nach folgenden Kriterien vergeben. Der Junge bzw. das Mädchen findet seinen Platz im Siegel, wenn die 65%-Marke der geschlechtspezifischen Beteiligung überschritten wird. Dies ist eine noch bewegliche Prozentmarke, da sie durch die Praxis bestätigt werden muss.

Der Info-Balken

Hier finden die Zahlen aus der Aktivitäts-Datei des jeweiligen Aktivmaterials ihren Platz. Sie sollen später in ihrer Aussagekraft zur pädagogischen Orientierung dienen. Der Berechnungszeitraum ist in Monaten unterteilt. Die Werte im Siegel orientieren sich am jüngsten Kind, das sich freiwillig und offensichtlich willentlich mit dem Aktivmaterial beschäftigt bis zum Alter, in dem das Interesse der Kinder und die Verweildauer am Aktivmaterial merklich abflachen.

Position 1 – im Beispiel = 11.6

Der Wert aus Position 1 beschreibt den Altersdurchschnitt, aller Kinder aus Position 2.

Position 2 - im Beispiel = 2012.02-379

Schlüsselt sich auf in Datum 2012 02 (JJJJ-MM) letzter Stand der Zählung seit Herausgabe der Serie dieses Aktivmaterials und der bis dahin beobachteten Anzahl von Kindern 379 (1 bis 999; ZZZ). Die Kinderzahl dient als Berechnungsgrundlage für den vorderen und hinteren Wert. Bei Erreichen der 999 werden für den restlichen Monat keine weiteren Einträge mehr gelistet. Mit Begin des neuen Monats werden 100 abgezogen.

Position 3 - im Beispiel = 00:16

Ist die durchschnittliche Aktivitätszeit 00:16 von allen 379 Kindern aus Position 2.

Was die Hände aussagen

Während des Praxistests durch die Kinder wird es immer wieder zu erneuten Anpassungen und Veränderungen am Material kommen. Nachbesserungen werden durch die Beobachtung des Kindes mit dem Aktivmaterial ausgelöst.

Folgende Fragen spielen dabei eine Rolle:
  • Kann das Kernineresse des Kindes noch genauer getroffen werden?
  • Muss das Pflichtenheft in der Folge des kreativen Umgangs des Kindes verändert
    oder erweitert werden?
  • Gibt es Faktoren am Material, die dem Genuss und der Freude am Tun dem Kind
    im Wege stehen?
  • Haben wir die Ausdauer oder auch die manuelle Kraft der Kinder unterschätzt
    und muss deshalb die Stabilität nachgebessert werden?
  • Wieviel Lärm verursacht das Material innerhalb einer Kindergruppe?

Muss nachgebessert werden, durchläuft das Material nochmals alle Stationen bis zu diesem Entscheidungspunkt.

Reifezeit ist Qualitätszeit

Diesen Reifungsprozess hinsichtlich Stabilität, Handling, Gruppentauglichkeit und Design hat bisher jedes Aktivmaterial von Jeladim für Kinder durchlaufen müssen. Nachbesserungen innerhalb des Jeladim-Entwicklungs-Zyklusses gehen in mehrere Runden und nehmen bis zur pädagogischen Reife erfahrungsgemäss einige Monate in Anspruch.

SIEGELVERGABE – Ja oder Nein ?

Wurden die Vorgaben des Pflichtenheftes durch die Beobachtungen der Kinder mit dem Material bestätigt und hat das Material das einhundertste Kind "in der Mangel" gehabt, dann haben sie bis dahin mit großem Interesse, viel Freude, Kraft und Ausdauer zur Jeladim-Siegel-Qualität beigetragen. Das Daumen-Urteil des Kindes für das neue Aktivmaterial wird als „TOP“ festgestellt, und das Aktivmaterial geht mit dem Jeladim-Siegel in die Serienfertigung.