Das Jeladim-Siegel aus Sicht des Pädagogen

Auf einen Blick sind das durchschnittliche Zielgruppenalter, die geschlechtsspezifischen Vorlieben, der Schwierigkeitsgrad und die durchschnittliche Konzentrationszeit zu erkennen. Das Siegel verhilft zu einer Übersichtlichkeit des Materialangebotes im jeweiligen Praxisfeld.  So leistet es einen enormen Beitrag zur Erhöhung des praktischen Förderpotentials in einer den Kindern dienlichen Umgebung. Es unterstützt den gezielten Einkauf und somit den effektiven Einsatz finanzieller Mittel.

„[Die Lehrerin] wird sich nur durch Erfahrung die delikaten Methoden aneignen, die bei der Behandlung verschiedener Individuen voneinander abweichen, damit weiter fortgeschrittene Kinder nicht bei Material aufgehalten werden, das für ihre individuellen Fähigkeiten zu einfach ist und ihnen Überdruss verursacht. Andererseits soll sie keine Gegenstände anbieten, welche die Kinder noch nicht würdigen können, was ihre erste kindliche Begeisterung ersticken würde.“
(Maria Montessori; Die Entdeckung des Kindes, S. 168)

Das Jeladim-Siegel bei der Beobachtung von Kindern im Umgang mit dem Material. Wenn sich ein Kind für ein Material entschieden hat, kann der Pädagoge schon von Weitem erkennen für welches Alter das Aktivmaterial eingestuft ist und welchen Schwierigkeitsgrad es hat. Er kann abschätzen ob das Kind im weiteren Verlauf Unterstützung benötigt oder ob er präventiv dem Kind besser ein alternatives Angebot macht. Ab vierjährige Kinder können sich in der Regel selbständig Material aussuchen, das ihren Fähigkeiten angepasst ist. Teilleistungsschwächen oder allgemeine Entwicklungsverzögerungen können frühzeitig erkannt werden. Kinder, welche überwiegend Material mit einem bestimmten Anforderungsprofil einer niedrigeren Altersstufe verwenden, haben einen selbst verspürten Nachholbedarf. Diese Kinder benötigen besondere Beachtung.

Durch die Einführung des Jeladim-Siegels in der Kindergruppe steigt die Betriebsamkeit und das Aktivitätsniveau. Insgeamt wird die Gruppe dadurch ruhiger und der allgemeine Gruppenfrieden nimmt zu. Durch die höhere Selbständigkeit der Kinder in ihrer Umgebung hat der Pädagoge mehr Zeit. Eine intensivere Betreuung einzelner Kindern ist nun möglich. Auch Kinder mit Hochbegabung werden schneller erkannt und können konkret gefördert werden.

Die Schwierigkeits-Skala

Zur Verbesserung der Aussagekraft unseres Siegels hinsichtlich der Schwierigkeitsgrade benötigen wir das Mitwirken der Pädagogen vor Ort, die Ihrerseits ein Interesse daran haben, möglichst genaue Prognosewerte zu bekommen. Durch die uns zugesandten Daten können wir immer konkretere, aussagekräftigere und zuverlässigere Informationen ins Siegel einfliessen lassen. Der prognostizierte bzw. angenommene Schwierigkeitsgrad errechnet sich statistisch und findet sich als entsprechend gefärbter Spheroid direkt auf dem Aktivmaterial wieder. Was den Kindern wieder zu Gute kommt. Die Schwierigkeitsgrades des jeweiligen Aktivmaterials sind auf der entsprechenden Produktseite zu ersehen. Mit der Auslieferung bzw. Herstellung der neuen Serie findet die akutelle Schwierigkeitseinschätzung ihren Weg zum Kind.

„Die "aktive Aufgabe", welche die Lehrerin als ein Wesen angeht, das das Kind in Beziehung zu seinem Gegenstand setzt, ist jedoch klar und lässt sich leicht erlernen. Sie muss verstehen, den geeigneten Gegenstand auszuwählen und ihn so anzubieten, dass er beim Kind auf Verständnis stößt und in ihm ein tiefes Interesse weckt.“
(Maria Montessori; Die Entdeckung des Kindes, S. 168)

Praktische Bedeutung der Materialkategorisierung

Die Kategorisierung geht von einem normalbegabten Kind im angegebenen Entwicklungsalter lt. Alters-Identifikation aus.

Verlauf und Vorgehensweise bei der Protokollierung einer kindlichen Aktivität

Grad der materialen Anforderung minimal sehr gering gering normal hoch sehr hoch maximal
 
Einführung              
Einzelbetreuung minimal sehr wenig wenig normal viel sehr viel maximal
Zusätzliche Hilfestellung minimal sehr wenig wenig normal viel sehr viel maximal
Nutzung nach erfolgter Einführung maximal sehr viel viel normal wenig sehr wenig minimal
               
Lernphase              
Begleitende Unterstützung nötig minimal sehr wenig wenig normal viel sehr viel maximal
Normal schnell zur eigenen Routine maximal sehr leicht leicht normal schwer sehr schwer variabel
               
Phase der Verinnerlichung              
Nötiges Konzentrationspotential minimal sehr gering gering normal hoch sehr hoch maximal
Kinder lernen von Kindern maximal sehr leicht leicht normal schwer sehr schwer minimal
Interessierte Zuschauer maximal sehr viele viele normal wenige sehr wenige minimal
               
Polarisation (Work-Flow)              
Kinder vertiefen sich vollkommen maximal sehr viele viele normal wenige sehr wenige minimal

Das Kind erhält pro Aktivmaterial eine Jeladim-Karte. Darauf werden anonymisierte Daten eingetragen. In der Kopfzeile Geburtsdatum, Entwicklungsalter und Geschlecht des Kindes eintragen. Bitte auf der Jeladim-Karte keine Namen vermerken!
Die einzelnen Aktivitäten werden in einer Zeile mit Datum, Uhrzeit von, Uhrzeit bis und einen abschliessenden bunten Punkt dahinter gekennzeichnet. Der Punkt soll dem Selbständigkeitswert der obigen Tabelle entsprechen. Am Ende jeder Zeile eine Unterschrift des Beobachters – fertig.

Die Aufzeichnungen der Aktivitätszeiten sollten ab dem Moment, wo ein Kind mit Freude und Spaß an eine Tätigkeit herangeht beginnen und sollten im Verlauf durch eine mehrfache Wiederholung der Aktivität des Kindes über Tage und Wochen hinweg bestätigt werden. Dabei kann ein Erwachsener bis zur selbständigen Handlung einladen und begleitend Unterstütztung bieten.
Das Ende des Interesses gilt als erloschen, wenn eine mindestens 21 Tage andauernde Unterbrechung an der sonst so begehrten Beschäftigung stattgefunden hat. Dann mit dem Stempel der Einrichtung und Ihrer Unterschrift an Jeladim für Kinder die Karte an uns mailen, faxen oder per Post zusenden.

Aus der Menge aller Zusendungen konkretisieren wir das Siegel für das entsprechende Aktivmaterial. Dieses kommt bei neuen Auslieferungen Ihren Berufskollegen und den Kindern in der Praxis zu Gute.

geschlechtsspezifische Vorlieben

Aus den anonymisierten Daten der beobachteten Aktivitäten durch die Kollegen vor Ort ergibt sich die geschlechtliche Vorliebe für das Aktivmaterial. Dieser Wert ist veränderlich und gleicht sich immer wieder mit den aktuellen Erfahrungswerten aus der Praxis ab.

Die Werte des Info-Balkens in Farben und Ziffer

Position 1 – im Beispiel = 11.6 - Das Durchschnittsalter mit dem höchsten zu erwartenden Interesse

Die Berechnungsgrundlage für den Farbwert des gesamten Infobalkens bildet das Anfangsalter des jüngsten Kindes, das sich freiwillig und offensichtlich willentlich mit dem Aktivmaterial beschäftigt hat bis zum Kindesalter, in dem das Interesse am Aktivmaterial erloschen ist. (nähere Beschreibung der Berechnungsgrundlage siehe "Jeladim-Siegel aus Sicht der Herstellung[Link]“).

Wichtig: Die Altersangaben orientieren sich nicht am Lebensalter, sondern an den zu erwartenden Fähigkeiten eines normal begabten Kindes im jeweiligen Alter. Die Werte geben also das Entwicklungsalter an.

  • 1. Lebensjahr (Zahlenangabe im ersten Feld in Monaten)
  • 3. Lebensjahr (Zahlenangabe im ersten Feld in Monaten)
  • 5. Lebensjahr (ab 3 Jahren im ersten Feld in Jahren)
  • 7. Lebensjahr
  • 9. Lebensjahr in Jahren
  • 11. Lebensjahr in Jahren
  • 13. Lebensjahr in Jahren
Position 2 - im Beispiel = 2012.02-379

Seit dem Februar 2012 sind die Werte aus 379 Beobachtungskarten zur Berechnung des Alters mit der höchsten Interessenswahrscheinlichkeit und dem aktuellen Durchschnittswert der Aktivitätszeit in den Info-Balken eingeflossen.

Position 3 - im Beispiel = 00:16

Ist die durchschnittliche Aktivitätszeit 00:16 von allen 379 Kindern aus Position zwei. Die sich daraus ergebende Altersspanne beschreibt das Zeitfenster, auf den sich die Ziffern-Werte des Infobalkens beziehen. Die Berechnungsgrundlage für den durchschnittlichen Aktivitätszeit-Wert bilden die individuellen Beobachtungen der einzelnen Kinder im Alter innerhalb der Zeit-Codierung.

Die Summe der Aktivitätszeiten aller Kinder wird durch die Anzahl der gelisteten Aktionen geteilt. Es werden alle Aktivitätzeiten von der Start- bis zur Endphasen berücksichtigt. So ist der Wert als statistischer Mittelwert zu verstehen, der im Höhepunkt des Interesses teilweise um das Vierfache überschritten wird.