Ein paar Tipps für die Praxis

Die Tipps sind als freundliche Anregung zu verstehen und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Die Auswirkung des Siegels auf Ihre Kindergruppe und Ihre Form des Materialangebotes kann den einen oder anderen Rat für Sie hinfällig machen. Ich hoffe jedoch, dass der eine oder andere in seiner Praxis davon profitieren kann. Das Jeladim-Siegel dient der Orientierung und kann sehr hilfreich und aufbauend sein in der normalen Anwendung durch das Kind. Gleichzeitig kann es missbräuchlich gegen sich selbst und andere verwendet werden.

Förderung individueller Leistungssteigerung innerhalb von Gruppen

Innerhalb des Umgangs mit dem Material macht das Kind bestimmte Lernstadien durch. Alle Kinder sollten dazu motiviert werden, das Aktivmaterial selbständig bewältigen zu können. Was darüber hinaus geht, sollte ausschliesslich aus der eigenen Motivation des Kindes kommen.

Befindet sich das Kind im Stadium "rot" oder "orange" benötigt es behutsame nicht überfordernde Zuwendung und Nähe. Bis zur "grünen" Phase darf es gerne motiviert (*1) und erinnert werden. Hat es dieses Lernstadium erreicht ist es erst möglich, dass es durch die eigene Freude am Tun weitere Perfektion aufbaut.

Wenn einige Kinder zum Monatsende an dem selben Aktivmaterial die Phase "grün" erreicht haben sollte kleines Bergfest veranstaltet werden. Dies soll ein Ausdruck der Freude über die neu erworbenen Fähigkeiten und oder erbrachten Leistungen sein. Dieser Anlass soll für jeden die Möglichkeit eröffnen rückblickend seinen Lernprozess zu reflektieren. Im Rückblick erzählen die Kinder über die gemeisterten Lernhürden, Rückschläge oder Tiefpunkte. So kann das individuelle Selbstvertrauen jedes einelnen Kindes für zukünftige Lern- und Belastungssituationen aufgebaut werden. Die gemeinsame Freude aller Gruppenmitglieder ist der stärkste Motivator für jeden einzelnen. Ausserdem dient dieses schöne Event dem Aufbau einer guten Gruppenkohäsion. Der Zusammenhalt zwischen den Gruppenmitgliedern kann verstärkt werden und "Lern-Patenschaften" können gegründet werden.

Wichtig - bei diesem Event NICHT EINZELNE LOBEN. Individuelles Lob birgt die Gefahr einer Abhängigkeit des Gelobten vom Lobenden. Weitere Leistungen werden dann nur für den Lobenden erbracht. Bleibt das LOB aus, kann es den verprellten Gelobten zu überzogenen Leistungsansprüchen treiben und ihn in den Born-Out treiben. Das Event des "Bergfestes" erfüllt die positiven Eigenschaften des LOBES und verhindert ungesunde zwischenmenschliche Abhängigkeiten. Aso, auf "Bergfesten" werden die Leistungen der Gruppe geehrt, was wiederum die allgemeine Freude an Leistung und die Bereitschaft Leistung zu erbringen in der Gruppe fördert.

 

Lernverlauf

Eigener Lern- und Erfahrungsstatus bzw. -verlauf

sehr unbeholfen Anfänger, - lernt durch Zuschauen, Nachfragen und Nachmachen, übt durch Nachahmung manuelle
Fähigkeiten und erwirbt hilfreiche Handlungsstrukturen. Kontinuierliche geduldige und motivierende
Betreuung in seiner Nähe nötig. - Höchste Belastungssituation für den Lernenden. An Gestik und
Mimik erkennbar. An erhöhter Körpertemperatur messbar - heufige tiefe Atemzüge.
unbeholfen Lernender, - lernt durch Zuschauen, Nachfragen und Nachmachen hat vereinzelte manuelle Fährig-
keiten und Handlungsstrukturen aufgebaut und baut diese weiter aus, kann kleinere Teilaufträge mit
Hilfestellung ausführen. - Hohe Belastungssituation für den Lernenden. An Gestik und Mimik erkenn-
bar. Weniger tiefe Atemzüge beobachtbar.
noch unsicher Assistent, - dienendes Teammitglied. Hat alle Handlungsabläufe und manuellen Fähigkeiten erwor-
ben. Gewinnt an Erfahrung und Perfektion im aktiven Team. Ansprechpartner muss noch in seiner
Nähe griffbereit sein. - geringe Belastungssituation für den Lernenden. An Gestik und Mimik erken-
nbar - öfter entspannte Gesichtszüge. Tiefe Atemzüge nur noch selten.
gefestigt Fortgeschrittener, vollwertiges Teammitglied, erledigt die Anforderung in akzeptabler Qualität und
angemessener Zeit bei guter Laune. Diese ist an Gestik und Mimik erkennbar - durchgehend ent_
spannte Gesichtszüge. Entspanntes Gespräch möglich, normale Atmung und Körpertemperatur.
routiniert Erfahrener, bereicherndes Teammitglied bei hoher Effektivität und Effizienz untersützt er durch sei-
ne eigenen Motivation den Workflow. Er trägt zur Stabilität im Team bei und ist ausgleichend bei
Konflickten. Er hat das Bestreben das was er macht, gut zu machen. Stetigkeit ist seine Qualität.
sehr routiniert Als Experte ist er ein guter Lernbegleiter für Anfänger und Lernende. Behält dabei den Überblick
über die Gesamtaktivität, Erledigt Routineaufgaben effizient und hat daher Zeit zum coachen und
delegieren. Hat meist gute Sozialkompetenz und führt ein Team zum Erfolg.
innovativ Super Crack, Hilfsbereitschaft gepaart mit Freude an eigener Leistung. Ansprechpartner für knifflige
Aufgaben und schwere Aufträge. Meisst kein Interesse an Leitungsaufgaben. Nimmt jedoch gerne
Einzelaufträge mit nichtalltägliche Herausforderung an und meistert diese.






























Tipp "Gruppendynamik"

Da das Siegel vieles ganz praktisch offenbart, ist es gleichzeitig ein Werkzeug zur Psychohygiene für das einzelne Kind, den Unterguppen (Peer-Groups) und der Gesamtgruppe der Kinder. Auf diesem Hintergrund bietet es einige Aspekte zur sozialen Entwicklung der Kinder.
Das Siegel darf keinesfalls von Kindern dazu hergenommen werden, um andere auszugrenzen, abzulehnen oder zu demütigen. Bitte sehr darauf achten.

Tipp „vorbereitete Umgebung“:

Je nach Hintergundfarbe des Info-Balkens kann das Material in den Schränken und Regalen in entsprechender Höhe zugänglich gemacht werden. Als grobe Faustregel gilt, das entsprechende Material für einen optimalen Zugriff nicht tiefer als Kniehöhe und nicht höher als Ellenbogenhöhe für die jeweilige Zielgruppe anzubieten. Ausnahmen bestätigen die Regel - z.B. bei vielen Unter-drei-jährigen in der Gruppe.

Tipp "Kinderkrippe"

Da krabbelnde Kinder sich irgendwann an den Regalen hochziehen, sich festhalten und sich daran entlanghangeln, sollte auf Ihrer Höhe nur Material der nächsthöheren Altersklasse mit wenigen Einzelteilen bereitgestellt sein. Das Aufräumen geht auch wesentlich schneller, wenn diese Kleinen das „Durchschieb- und Zieh-Fieber“ packt und sie alles auf ihrer Höhe befindliche Material aus den Regalen werfen. Kleiner Trost und Hoffnungsschimmer für die Zukunft: Ein dem Alter von Krippenkindern angepasster Material-Schrank, der dies nur noch dort zulässt, wo das Kind den Raum dazu eingeräumt bekommt, steht bei uns auf der Entwicklungs-Agenda.

Tipp „erwachendes Konkurrenz-Verhalten"

Etwa ab dem fünften Lebensjahr kann es zu verstärktem Konkurrenz- und Wettverhalten in der sogenannten Peer-Group kommen. Dies muss mit besonderer Sorgfalt betreut werden.

Tipp "eigene übertriebene Leistungsanforderung“

Kinder ab dem 5. Lebensjahr – vor allem Jungs – neigen beispielsweise dazu, sich selbst zu überschätzen und zu übernehmen. Deshalb sollte auf deren Materialauswahl geachtet und im Falle des Falles sanfte Orientierungshilfe gegeben werden.

Tipp "Teilleistungsschwächen"

Es kann auch vorkommen, dass mit erwachendem Verständnis über die Aussage des Siegels bestimmte Kinder mit Teilleistungsschwächen ihrer Schwäche oder ihrem Defizit umso bewusster werden. Bitte das Kind auffangen.

Tipp "Hochbegabung"

Wenn Kinder mit einer bisher vielleicht noch unerkannten Hochbegabung in Teilleistungsbereichen auf einmal im Vergleich zu anderen Kindern ihrer Peer-Group deutlich besser sind, kann sie das ebenfalls stressen. Sie neigen dann dazu, im zwischenmenschlichen Bereich unangemessenes Verhalten zu zeigen - vielleicht sogar, um dies auf sozialer Ebene wieder zu kompensieren.